Modul 1: Personalbeschaffung und die starke Arbeitgebermarke

In diesem ersten Modul geht es um den Beginn unseres Prozesses. Wie schaffen wir es, dass die richtigen Menschen überhaupt den Wunsch verspüren, bei uns zu arbeiten?

Lektion 1.1: Der Wandel des Arbeitsmarktes und unsere Zielgruppen

Der Arbeitsmarkt hat sich radikal gedreht. Während früher Unternehmen die freie Auswahl hatten, haben heute oft die Bewerber das Sagen. Das liegt an der demographischen Entwicklung, bei der die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, aber auch an der Digitalisierung, die Fachkräfte extrem begehrt macht. Hinzu kommt ein Wertewandel: Jüngere Generationen fordern heute Flexibilität und Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit.

Wenn wir heute rekrutieren, müssen wir unsere Zielgruppe genau verstehen. Ein großer Fehler ist es, sich nur auf die aktiv Suchenden zu konzentrieren. Das sind jene etwa 25 Prozent des Marktes, die von sich aus Stellenanzeigen lesen. Das weitaus größere Potenzial liegt bei den passiven Kandidaten. Etwa 60 Prozent der Menschen sind in festen Jobs, wären aber für ein besseres Angebot absolut offen. Diese Gruppe erreichen wir nicht über klassische Jobbörsen, sondern nur über direkte Ansprache und richtig gutes Marketing.

Lektion 1.2: Die Reise der Bewerber (Candidate Journey)

Wer Marketing versteht, kennt die „Customer Journey“. Genau das gleiche Prinzip gilt im Recruiting für die Reise der Bewerber. Der Weg eines Talents in unser Unternehmen besteht aus vielen einzelnen Berührungspunkten, den sogenannten Touchpoints.

Diese Reise beginnt lange vor der eigentlichen Bewerbung. Zuerst muss das Unternehmen überhaupt die Aufmerksamkeit des Kandidaten wecken, etwa durch einen guten Social-Media-Auftritt. Danach folgt der Bewerbungsprozess selbst. Wenn dieser kompliziert ist und man am Handy nicht sofort seine Unterlagen hochladen kann, springen die besten Talente sofort wieder ab. Weiter geht es mit dem persönlichen Kennenlernen im Interview und der Vertragsverhandlung. Die Reise endet aber erst nach den ersten Monaten im neuen Job, dem sogenannten Onboarding. Wenn auch nur ein einziger dieser Schritte unprofessionell abläuft, war die ganze vorherige Mühe umsonst.

Lektion 1.3: Das Arbeitgeberwertversprechen (Employer Value Proposition)

Damit sich Top-Talente für uns entscheiden, brauchen wir ein klares Versprechen. Wir nennen das im HR das Arbeitgeberwertversprechen, vergleichbar mit dem Unique Selling Proposition (USP) eines Produkts. Es beantwortet die entscheidende Frage: „Warum sollte ich ausgerechnet bei euch arbeiten und nicht bei der Konkurrenz?“

Dabei ist eines extrem wichtig: Wir dürfen keine leeren Marketing-Hüllen bauen. Das nach außen kommunizierte Image („Wir sind ein agiles, modernes Team“) muss zwingend mit der internen Identität, also dem echten Arbeitsalltag, übereinstimmen. Wenn wir den Leuten im Vorfeld etwas versprechen, das sie am ersten Arbeitstag nicht vorfinden, kündigen sie meist noch in der Probezeit.